Sonnenblumenprotein oder Mykoprotein? Fleischalternativen im Faktencheck

Sonnenblumenprotein oder Mykoprotein? Fleischalternativen im Faktencheck

Fleischalternativen werden heute aus ganz unterschiedlichen Rohstoffen hergestellt. Neben Soja, Erbsen und Weizen begegnet man zunehmend Begriffen wie Sonnenblumenprotein und Mykoprotein. Doch was steckt dahinter? Wie unterscheiden sich Herstellung, Zutaten, Konsistenz und Lagerung? Und welche Lösung passt besser zu einer bewussten Bio-Küche?

Wir vergleichen beide Proteinkonzepte sachlich, verständlich und ohne die Sonnenblumenbrille zu rosig zu färben. Als konkretes Beispiel für ein etabliertes Mykoprotein-Produkt betrachten wir ausgewählte Produkte der Marke Quorn.

Was ist Sonnenblumenprotein?

Sonnenblumenprotein entsteht aus geschälten Sonnenblumenkernen. Bei der Herstellung des von uns verwendeten Heliaflor® Sonnenblumenproteins werden geschälte Bio-Sonnenblumenkerne mittels CO₂-Extraktion teilentölt. Das dabei gewonnene proteinreiche Material wird anschließend schonend weiterverarbeitet.[3]

Für sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS wird das Sonnenblumenprotein texturiert. Bei diesem als Extrusion bezeichneten Verfahren entsteht unter Druck und Wärme eine poröse, bissfeste Struktur. Dadurch kann das trockene Produkt Flüssigkeit, Gewürze und Saucen aufnehmen.[1][2]

sunflowerHACK

sunflowerHACK besitzt eine feine, lockere Struktur für Bolognese, Chili, Lasagne, Füllungen und andere klassische Hackgerichte.

sunflowerCHUNKS

sunflowerCHUNKS sind größer und stückiger und eignen sich beispielsweise für Gulasch, Currys, Ragouts und Geschnetzeltes.

Was ist Mykoprotein?

Mykoprotein bezeichnet eine aus Pilzkulturen gewonnene Biomasse, die als Proteinquelle für unterschiedliche Lebensmittel eingesetzt werden kann. Der Begriff „myko“ leitet sich vom griechischen Wort für Pilz ab. Pilze bilden biologisch ein eigenes Reich und gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren.[4]

Für das seit vielen Jahren bekannte Quorn-Mykoprotein wird der filamentöse Pilz Fusarium venenatum verwendet. Dieser wächst in großen Fermentationsbehältern. Während des Prozesses werden unter anderem Wasser, Glucose, Mineralstoffe und Sauerstoff zugeführt. Nach der Fermentation wird die Pilzbiomasse geerntet und weiterverarbeitet.[4]

Die feinen Pilzfäden bilden eine faserige Grundstruktur. Bei der Herstellung von Quorn-Produkten tragen weitere Verarbeitungsschritte wie Erhitzen, Kühlen und Gefrieren dazu bei, die Fasern zu bündeln und eine fleischähnliche Textur zu erzeugen.[4]

Sonnenblumenprotein und Mykoprotein im direkten Vergleich

Vergleich von Sonnenblumenprotein und beispielhaft betrachteten Quorn-Mykoprotein-Produkten
Kriterium sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS Betrachtete Quorn-Produkte
Ursprung Geschälte Sonnenblumenkerne Fermentierte Pilzbiomasse aus Fusarium venenatum
Lebensmittelgruppe Pflanzliches Protein Proteinquelle aus Pilzen, biologisch weder Pflanze noch Tier
Bio-Status Zertifiziertes Bio-Sonnenblumenprotein Auf der untersuchten Produktseite nicht als Bio ausgewiesen
Zutaten 100 % Bio-Sonnenblumenprotein Je nach Produkt Mykoprotein plus weitere Zutaten
Vegan Rein pflanzlich Vom konkreten Endprodukt abhängig
Lagerung Trocken und ungekühlt Gekühlt oder tiefgekühlt, je nach Produkt

Eine Zutat oder zusammengesetztes Produkt?

Hier liegt einer der deutlichsten Unterschiede zwischen unseren puren Sonnenblumenprodukten und dem beispielhaft betrachteten Quorn-Hack.

sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS

Beide Produkte bestehen aus 100 % Bio-Sonnenblumenprotein.[1][2]

Quorn-Hack im betrachteten Beispiel

Das betrachtete Quorn-Hack enthält laut britischer Herstellerseite 91 % Mykoprotein sowie rehydriertes Hühnereiweiß, Erbsenfaser und glutenfreien Gerstenmalzextrakt.[5]

Vegane Mykoprotein-Produkte

Vegane Mykoprotein-Produkte können anders zusammengesetzt sein und verwenden statt Hühnereiweiß andere Zutaten zur Bindung.

Eine längere Zutatenliste ist nicht automatisch schlecht. Wer jedoch gezielt nach einer möglichst einfachen und nachvollziehbaren Rezeptur sucht, findet in sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS eine besonders übersichtliche Lösung.

Vegan und Bio: worauf es ankommt

Ist Mykoprotein automatisch vegan?

Nein. Der Rohstoff Mykoprotein ist nach Angaben des Herstellers vegan. Ein daraus hergestelltes Endprodukt muss es aber nicht sein.[4]

Das hier betrachtete vegetarische Quorn-Hack enthält beispielsweise Hühnereiweiß.[5] Bei ausdrücklich vegan gekennzeichneten Varianten kommen andere Zutaten zum Einsatz. Der Vegan-Status lässt sich daher nicht allein aus dem Begriff „Mykoprotein“ ableiten.

sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS sind dagegen rein pflanzlich, weil sie ausschließlich aus Bio-Sonnenblumenprotein bestehen.[1][2]

Was bedeutet Bio bei beiden Proteinquellen?

„Bio“ ist keine Eigenschaft, die sich allein aus der Art des Proteins ergibt. Entscheidend ist, ob Rohstoff, Verarbeitung und Endprodukt nach den geltenden Bio-Vorschriften kontrolliert und zertifiziert sind.[9]

Für sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS verwenden wir zertifiziertes Bio-Sonnenblumenprotein. Das zugrunde liegende Heliaflor® Protein wird aus geschälten Bio-Sonnenblumenkernen hergestellt und ist nach der EU-Bio-Verordnung kontrolliert. Die AOT weist für Heliaflor® 55 außerdem die Zertifizierungen Kosher und EcoVeg aus.[3][9]

Mykoprotein ist nicht automatisch Bio oder Nicht-Bio. Maßgeblich ist immer die Zertifizierung des konkreten Endprodukts. Auf der für diesen Vergleich untersuchten britischen Produktseite wird das betrachtete Quorn-Hack nicht als Bio-Produkt ausgewiesen.[5]

Welche Alternative hat die bessere Textur?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Mykoprotein besitzt durch seine länglichen Pilzfäden gute Voraussetzungen für faserige Strukturen. Bei der Herstellung von Quorn-Produkten werden diese Fasern durch weitere Verarbeitungsschritte zu einer fleischähnlichen Textur verbunden.[4]

Texturiertes Sonnenblumenprotein besitzt dagegen eine poröse Struktur. Es kann Flüssigkeit sowie Aromen aufnehmen und lässt sich abhängig von der Zubereitung saftig, weich oder kräftig angeröstet einsetzen.

Bei sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS steuerst du selbst

  • Flüssigkeit – wie viel Flüssigkeit verwendet wird.
  • Würzung – wie intensiv das Produkt gewürzt wird.
  • Quellzeit – wie lange das Produkt quellen darf.
  • Röstaromen – wie kräftig es anschließend angeröstet wird.

Convenience oder Flexibilität?

Die beispielhaft betrachteten Quorn-Produkte sind stärker auf eine schnelle Zubereitung als Convenience-Produkt ausgelegt. Sonnenblumenprotein bietet dagegen viel Spielraum bei Würzung, Saftigkeit und Röstaromen.

Wasserbindung, Ergiebigkeit und Wirtschaftlichkeit

sunflowerHACK nimmt etwa die zwei- bis dreifache Menge seines Eigengewichts an Flüssigkeit auf. Aus 100 Gramm trockenem sunflowerHACK entstehen zusammen mit ungefähr 200 bis 300 Millilitern Flüssigkeit rund 300 bis 400 Gramm einer zubereiteten Basis.[1]

Für einen fairen Kostenvergleich zählen

  • benötigte Trockenmenge pro Portion,
  • zugesetzte Flüssigkeit,
  • tatsächliche Portionsgröße,
  • Einkaufspreis des jeweiligen Gebindes,
  • Lager- und Kühlkosten,
  • Zubereitungszeit und Energiebedarf.

Ergiebigkeit

Der Kilopreis eines trockenen Produkts sollte nicht unmittelbar mit dem Kilopreis einer bereits hydratisierten Fleischalternative verglichen werden.

Lagerung und Kühlbedarf

sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS werden trocken gelagert und benötigen vor dem Öffnen keine Kühlung. Das ist zu Hause praktisch und kann auch in professionellen Küchen Vorteile bieten.[1][2]

Vorteile der trockenen Lagerung

  • kein Tiefkühlplatz erforderlich,
  • lange Vorratshaltung,
  • kompakte Lagerung,
  • flexible Entnahme der benötigten Menge,
  • keine durchgehende Kühlkette.

Gekühlt oder tiefgekühlt

Das für den Vergleich betrachtete Quorn-Hack wird laut Hersteller sowohl gekühlt als auch tiefgekühlt angeboten. Tiefgekühltes Quorn-Hack sowie die betrachteten Quorn-Stückchen müssen bei unter −18 °C gelagert werden.[5][6]

Nachhaltigkeit

Die Lagerform kann sich auf Transport, Lagerfläche und Energiebedarf auswirken. Für eine vollständige Umweltbilanz müssten jedoch sämtliche Produktions-, Verarbeitungs-, Verpackungs- und Transportstufen untersucht werden.

Was sagt die Forschung?

Was sagt die Forschung zu Sonnenblumenprotein?

Sonnenblumenprotein wird zunehmend als Rohstoff für Fleischalternativen erforscht. Eine 2024 veröffentlichte, begutachtete Studie untersuchte unter anderem, wie verschiedene Verarbeitungsverfahren die In-vitro-Proteinverdaulichkeit von Sonnenblumen- und Erbsenproteinzutaten beeinflussen.[7]

Im verwendeten Labormodell erhöhte sich der gemessene Hydrolysegrad des untersuchten Sonnenblumenproteinkonzentrats durch eine milde Wärmebehandlung und durch High-Moisture-Extrusion. Das extrudierte Sonnenblumenprotein erreichte in diesem Modell einen ähnlichen Hydrolysegrad wie die untersuchte Rindfleischreferenz.[7]

Was beeinflusst die Verbraucherakzeptanz?

Auch bei der Akzeptanz gibt es keinen pauschalen Sieger. Ob eine Fleischalternative gerne gegessen wird, hängt nicht nur von der verwendeten Proteinquelle ab.

Wichtige Einflussfaktoren

  • Geschmack und Geruch,
  • Konsistenz und Saftigkeit,
  • Aussehen,
  • Zutatenliste,
  • Preis,
  • Bekanntheit des Rohstoffs,
  • Ernährungsweise,
  • Zubereitungserfahrung,
  • Vertrauen in Herstellung und Marke.

Eine systematische Auswertung wissenschaftlicher Untersuchungen zeigt, dass sensorische Eigenschaften wie Aussehen, Geruch, Geschmack und Textur eine zentrale Rolle für die Akzeptanz pflanzlicher Alternativprodukte spielen.[8]

Ein Produkt muss nicht nur eine gute Geschichte erzählen. Es muss vor allem lecker schmecken und im Alltag funktionieren.

Welche Proteinquelle ist nun die bessere?

Mykoprotein und Sonnenblumenprotein verfolgen unterschiedliche Ansätze.

Mykoprotein ist technologisch interessant und besitzt durch die Struktur der Pilzfäden gute Voraussetzungen für faserige Fleischalternativen. Die hier betrachteten Quorn-Produkte werden als gekühlte oder tiefgekühlte Convenience-Produkte angeboten und lassen sich schnell zubereiten.[4][5][6]

Sonnenblumenprotein überzeugt dagegen mit einem vertrauten landwirtschaftlichen Rohstoff, einer sehr kurzen Zutatenliste, zertifizierter Bio-Qualität und einer flexiblen Zubereitung. In trockener Form ist es lange und ohne Kühlung lagerfähig. Durch seine Flüssigkeitsaufnahme ist es außerdem ausgesprochen ergiebig.[1][2][3]

Unsere Entscheidung

Unsere Entscheidung fällt sonnig aus: Wir setzen auf Fleischalternativen aus 100 % Bio-Sonnenblumenprotein – ohne Soja als Zutat, ohne Aromen und ohne Zusatzstoffe.

Nicht, weil jede andere Proteinquelle grundsätzlich schlechter wäre. Sondern weil Sonnenblumenprotein besonders gut zu dem passt, was uns wichtig ist: Bio-Qualität, eine verständliche Zutatenliste, unkomplizierte Zubereitung und richtig leckeres Essen.

Häufige Fragen

Ist Mykoprotein ein pflanzliches Protein?

Nein. Mykoprotein wird mithilfe von Pilzkulturen hergestellt. Pilze bilden biologisch ein eigenes Reich und gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren.

Ist Mykoprotein vegan?

Der Rohstoff Mykoprotein ist nach Angaben des Herstellers vegan. Fertige Produkte können jedoch nicht vegane Zutaten wie Hühnereiweiß enthalten. Entscheidend ist die Zutatenliste des jeweiligen Endprodukts.

Woraus bestehen sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS?

Beide Produkte bestehen aus 100 % Bio-Sonnenblumenprotein. sunflowerHACK besitzt eine feinere Hackstruktur, sunflowerCHUNKS sind größer und stückiger.

Muss sunflowerHACK eingeweicht werden?

Nein. sunflowerHACK kann mit Flüssigkeit angefeuchtet und anschließend angebraten oder direkt in eine Sauce gegeben werden. Bei der Zubereitung nimmt es etwa die zwei- bis dreifache Menge seines Eigengewichts an Flüssigkeit auf.

Müssen sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS gekühlt werden?

Nein. Die ungeöffneten Trockenprodukte werden kühl, trocken und vor Licht geschützt gelagert, benötigen aber keine Kühl- oder Tiefkühlung.

Fazit

Sonnenblumenprotein und Mykoprotein können beide eine fleischfreie Küche bereichern. Wer Wert auf eine besonders kurze Zutatenliste, Bio-Qualität, flexible Zubereitung und trockene Lagerung legt, findet mit sunflowerHACK und sunflowerCHUNKS eine unkomplizierte Lösung für viele Alltagsgerichte.

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Quellen und Transparenz

Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Herstellerinformationen, Produktangaben, Fachpublikationen und geltenden Rechtsgrundlagen. Angaben zu Produkten anderer Hersteller beziehen sich auf den zum Zeitpunkt der Recherche veröffentlichten Informationsstand. Rezepturen, Verfügbarkeit und Produkteigenschaften können sich ändern. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Angaben des Herstellers beziehungsweise die Angaben auf der Produktverpackung.

Stand der Recherche: 30. Juli 2026

  1. sunflowerHACK – Produktinformationen, Zutaten und Nährwerte, sunflowerFamily GmbH.
  2. sunflowerCHUNKS – Produktinformationen, Zutaten und Nährwerte, sunflowerFamily GmbH.
  3. Heliaflor® 55 Bio-Sonnenblumenprotein, All Organic Treasures GmbH.
  4. What is Quorn mycoprotein?, Quorn Nutrition/Marlow Foods Ltd.
  5. Quorn Vegetarian Mince, britische Herstellerseite von Quorn Foods/Marlow Foods Ltd.
  6. Quorn Vegetarian Chicken Pieces, britische Herstellerseite von Quorn Foods/Marlow Foods Ltd.
  7. Öztürk, Z.; Lille, M.; Rosa-Sibakov, N.; Sozer, N. (2024): „Impact of heat treatment and high moisture extrusion on the in vitro protein digestibility of sunflower and pea protein ingredients.“ LWT – Food Science and Technology, 214, Artikel 117133. DOI: 10.1016/j.lwt.2024.117133.
  8. Appiani, M.; Cattaneo, C.; Laureati, M. (2023): „Sensory properties and consumer acceptance of plant-based meat, dairy, fish and eggs analogs: a systematic review.“ Frontiers in Sustainable Food Systems, 7, Artikel 1268068. DOI: 10.3389/fsufs.2023.1268068.
  9. Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische beziehungsweise biologische Produktion und Kennzeichnung.
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